Einbruch ins Eis: FF St. Pölten-Stadt übt praktisch für den Ernstfall – Die winterlichen Wetterverhältnisse nutzte die Freiwillige Feuerwehr St. Pölten-Stadt für eine praktische Übung am Ratzersdorfer See am Montag, dem 12. Jänner 2026. Thema war die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen mit unterschiedlichen Möglichkeiten.
Winterliche Schönheit mit tödlichem Risiko: Die Gefahr unter der Eisdecke
Die anhaltende Kälte der letzten Tage hat dafür gesorgt, dass die St. Pöltner Seen seit langem wieder einmal zugefroren sind. Ein malerischer Anblick, aber ein trügerischer Anschein: Denn selbst, wenn die Eisfläche einladend für einen Spaziergang scheint, ist allerhöchste Vorsicht geboten! Gerade bei Tauwetter ist das Betreten von zugefrorenen Gewässern lebensgefährlich!
Lebensgefahr besonders bei Tauwetter
Immer wieder liest man von Personen, die ins Eis eingebrochen sind. Versuche der Hilfeleistung durch Unerfahrene sind für alle höchst gefährlich, weil auch Helfer jederzeit einbrechen können. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, nutzte die Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr St. Pölten-Stadt die derzeitigen Wetterverhältnisse, um Eisrettung praktisch zu beüben. Selbstverständlich unter der Anleitung, Aufsicht und Begleitung von erfahrenen und speziell geschulten Kameraden, und mehrfach gesichert – von einer Nachahmung wird eindringlich abgeraten! (Das Betreten der gefrorenen Seeflächen in St. Pölten ist derzeit ohnehin NICHT FREIGEGEBEN!)
Training unter Realbedingungen: Stadtfeuerwehr übte am Ratzersdorfer See
Von der Wasserrettung St. Pölten sind am Ratzersdorfer See im Vorfeld eigens Bereiche für die Übung vorbereitet worden (und natürlich entsprechend markiert und abgesperrt). Zwei ausgebildete Kameraden der FF St. Pölten-Stadt stellten sich in Trockentauchanzügen als „Opfer“ zur Verfügung, stets unter wachsamer Aufsicht eines weiteren, und ermöglichten den anderen Mitgliedern, verschiedene Arten der Eisrettung praktisch zu beüben. So kamen beispielsweise eine Schaufel, ein sogenanntes Spineboard (eine schwimmfähige, stabile, aber leichte Rettungs- und Tragehilfe) und auch ein spezieller „Eisretter“ zum Einsatz. Letzterer ist ein Spezialgerät, über das die St. Pöltner Stadtfeuerwehr verfügt: Aufblasbar und mit Schwimmkörpern ausgestattet, optisch einem Schlitten ähnlich, ermöglicht es eine Fortbewegung über dünnes oder brüchiges Eis, indem es einerseits für größere Gewichtsverteilung sorgt und andererseits Auftrieb auf dem Wasser bietet.
Realistische Übungsbedingungen, unterschiedliche Möglichkeiten
Bei starkem Schneefall wurde die Mannschaft vor Ort mit den Eigenschaften und Gefahren des Eises, der Wichtigkeit des Selbstschutzes und den unterschiedlichen Methoden zur Eigensicherung und zur Rettung von bewusstlosen oder ansprechbaren Personen vertraut gemacht und nutzten die seltene Chance, die Techniken auch gleich live auszuprobieren und praktisch zu üben. Denn im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, Zeit ist der wichtigste Faktor – denn man unterkühlt innerhalb weniger Minuten und droht zu ertrinken.
Ausbildung, Ausrüstung und Ausrückezeit
Dass eine jede Sekunde zählt, wenn eine Person im Eis einbricht, weiß auch St. Pöltens Feuerwehrkommandant und NÖ Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner: „Als Feuerwehr sind wir nicht nur für solche Fälle bestens ausgerüstet und auch ausgebildet, sondern sind in wenigen Minuten vor Ort. Gerade die Stadtfeuerwehr St. Pölten kann innerhalb kürzester Zeit ausrücken, da sie fast durchgehend mit zumindest einer Bereitschaftsmannschaft besetzt ist.“
Sicherheit geht vor: Eisflächen nie unüberlegt betreten!
Wenn man überlegt, einen zugefrorenen See zu betreten, ist es lebenswichtig, einige Sicherheitsregeln zu beachten. So muss man zum Beispiel immer auf offizielle Freigaben durch zuständige Behörden oder Institutionen warten, denn nur Experten können wirklich feststellen, ob eine Eisdecke über die notwendige Mindestdicke, Stabilität und Tragfähigkeit verfügt, um betreten werden zu können. Wenn dies der Fall ist, sollte man trotzdem nie alleine aufs Eis gehen. Und wenn doch etwas passiert, sollten unerfahrene Personen keinesfalls versuchen, jemand anderem aus dem Wasser zu ziehen, weil sie sich dadurch selbst in Lebensgefahr bringen und ebenfalls ins Eis einbrechen können. Viel wichtiger ist es, sofort die Rettungskräfte (Feuerwehr-Notruf: 122) zu alarmieren und auf professionelle Hilfe zu warten.
Wachsam bleiben, auf Warnzeichen achten
Beim Betreten von Eisflächen ist es auch unbedingt notwendig, den Untergrund stets genauestens zu beobachten. Wenn unter den Füßen ein Knacken oder Knistern zu vernehmen ist oder sich Risse an der Oberfläche bilden, ist höchste Vorsicht geboten. Dann muss man sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht gleichmäßiger zu verteilen, und langsam in Richtung Ufer robben. Ruhe zu bewahren ist dabei das oberste Gebot. Im Zweifelsfall ist es aber immer am ratsamsten, lieber am Ufer zu bleiben und die winterliche Szenerie mit Sicherheitsabstand optisch zu genießen.
Danke an dieser Stelle an die Kameraden Schuster, Traxler und Fraberger für die Ausarbeitung dieser höchst spannenden und lehrreichen Übung, und die Zurverfügungstellung als Übungsopfer!
Großer Dank gilt auch der Wasserrettung St. Pölten für die Präparierung der Übungsfläche!
Quelle: FF St.Pölten-Stadt
