Dienstag, 30 September 2014 08:53

Schadstoff-Training der St.Pöltner Feuerwehren im Chemiepark Gendorf Empfehlung

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Freiwillige Feuerwehrleute stehen immer an vorderster Front, wenn bei Unfällen auf Straße und Schiene oder bei Zwischenfällen in Industrie und Gewerbe Gefahrgüter ausgetreten sind und eine Gefährdung von Menschen, Tieren oder der Umwelt darstellen. Dafür ist die entsprechende Ausrüstung, aber vor allem die richtig ausgebildete Mannschaft notwendig. Um dem gerecht zu werden und den Ausbildungsstand zu festigen, rückten am vergangenen Wochenende 18 Feuerwehrmänner aus dem Feuerwehrabschnitt St.Pölten-Stadt unter der Führung von Abschnittsfeuerwehrkommandant Brandrat Ing. Martin Schifko zu einem gemeinsamen Schadstoff-Training nach Deutschland aus. Bei der Werksfeuerwehr des Chemieparks Gendorf konnten verschiedene Szenarien mit gefährlichen Stoffen geübt werden.

 Am Samstag, den 27. September 2014, machten sich die Mitglieder der Feuerwehren St.Pölten-Stadt, Stattersdorf, Wagram und Pottenbrunn mit fünf Fahrzeugen auf den Weg Richtung Bayern, wo von der Werksfeuerwehr InfraServ Gendorf Ausbildungsleiter und Schichtführer-Stv. Georg Edenhofer und sein Team bereits einige Übungen vorbereitet hatten, und die Niederösterreicher erwarteten. Nach der Führung durch die nagelneue Feuerwache, die erst vor kurzem eröffnet wurde, und einem gemeinsamen Mittagessen stand schon das erste Szenario am Programm:

1. Übung: Verpuffung in einer Werkstätte
Angenommen wurde ein Brand mit Verpuffung in einem metallverarbeiteten Betrieb, der an eine Kläranlage und einen Rangierbahnhof grenzte. Durch die Verpuffung brach in einem angrenzenden Waldstück ein Brand aus, ein Mitarbeiter des Unternehmens war vermisst. Bei dieser ersten Übung der Gendorfer Brandschützer lag der Schwerpunkt auf der richtigen Erkundung der Schadenslage durch den Einsatzleiter. Bei der anschließenden Brandbekämpfung in der Werkstätte bzw. im angrenzenden Wald und der Menschenrettung wurde natürlich auch auf das richtige Vorgehen der eingesetzten Kräfte geachtet. Bei der folgenden Übungsnachbesprechung lobten die Ausarbeiter die Arbeit der Freiwilligen, auch wenn einige Kleinigkeiten nicht unbedingt so gelaufen sind, wie sie sollten – aber dazu üben die Einsatzkräfte ja in sicherem Umfeld, damit es im Einsatzfall klappt. Nachdem die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge wieder hergestellt war und die Atemschutzgeräteträger eine kurze Pause genießen konnten, ging es schon weiter zum nächsten Übungseinsatz.

2. Übung: Gefahrgut-LKW von Fahrbahn abgekommen
Ein Gefahrgut-LKW war in einem Waldstück von der Fahrbahn abgekommen. Seine Ladung bestand aus verschiedensten Stückgütern, wovon eine unbekannte Anzahl bei dem Unfall leck geschlagen war; der Lenker wurde durch den Anprall verletzt und konnte sich selbst nicht aus dem Lastwagen befreien. Der Einsatzleiter beauftragte die Mannschaft nach der Erkundung mit dem Ausrüsten eines Trupps unter Atemschutz zur Menschenrettung und zum Holen der Frachtpapiere des LKW, um feststellen zu können, was er genau geladen hatte. Zeitgleich wurde ein dreifacher Brandschutz vom Universallöschfahrzeug mit Wasser, Schaum und Pulver vorbereitet. Ein weiterer Trupp rüstete sich mit Chemikalienschutzanzügen der Schutzstufe 2 aus, um auf der Ladefläche zu erkunden, welcher Stoff austritt und um Abdichtmaßnahmen setzen zu können. Mittels Moosgummi-Platten und einem Ratschengurt konnte der Medienaustritt an einem 200 Liter-Fass provisorisch abgedichtet werden; mittels Bergefass wurde das defekte Gebinde aus dem Gefahrenbereich gebracht. Die restliche Mannschaft bereite im Hintergrund eine Grob-Dekontamination vor, damit die Einsatzkräfte, die mit Gefahrgütern in Kontakt gekommen sind, gereinigt werden können und es zu keiner Verschleppung kommt.

3. Übung: Austritt eines Mediums aus Tankcontainer
Die letzte Lage des Tages war auch die anspruchsvollste: auf einem Speditionsgelände trat aus einer undichten Armatur eines Tankcontainers ein giftiger, brennbarer Stoff aus – so ziemlich die „ungemütlichste“ Kombination an gefährlichen Eigenschaften! Wieder war ein Arbeiter verletzt; Kanaleinläufe und die Wetterlage spielten ebenfalls eine Rolle. So musste die Menschenrettung rasch unter Atemschutz durchgeführt sowie eine Not-Dekontamination des Verletzten vorbereitet werden. Durch einen zweiten Trupp unter Chemikalienschutzanzug der Schutzstufe 2 wurde versucht, das defekte Ventil abzudichten, was sich aber als schwieriger herausstellte, als es anfänglich schien. Übungsmäßig wurde vom Einsatzleitfahrzeug „Florian 23“ telefonisch bei der Werksfeuerwehr InfraServ Gendorf um ein Sicherheitsdatenblatt für den austretenden Stoff angefragt, um die richtigen Maßnahmen setzen zu können. Weiters wurde ein Ersatztank angefordert, um das Medium umpumpen zu können. Nach Aufbau des Brandschutzes sowie eines behelfsmäßigen Deko-Platzes zur Reinigung der eingesetzten Trupps war das Übungsziel erreicht und die Übung konnte beendet werden. Bei der Übungsbesprechung verrieten die Spezialisten der Werksfeuerwehr viele kleine praktische Tipps und Erfahrungen rund um Schadstoffeinsätze.

Zum Abschluss bedankte sich Martin Schifko bei Ausbildungsleiter Georg Edenhofer und seinem Team sowie bei Martin Siebert, dem Leiter der Werkssicherheit, für die Möglichkeit, den Ausbildungstag in Gendorf durchführen zu können. Georg Edenhofer lobte in seinen Abschiedsworten den hohen Ausbildungsstand der Freiwilligen und erläuterte, dass telefonische Hilfestellungen durch die Werksfeuerwehr InfraServ Gendorf von freiwilligen Feuerwehren jederzeit – auch für Übungen – gemacht werden können und sollen.

Nach dem anstrengenden, aber lehrreichen Ausbildungstag gönnten sich die Feuerwehrleute aus Niederösterreich noch ein gemütliches Abendessen in einem Lokal in Burghausen, wo noch die eine oder andere Einsatzlage besprochen wurde. Der Tenor der Teilnehmer war durchwegs positiv und man war sich einig, dass es sicher ein Wiedersehen in Gendorf geben wird, um die Zusammenarbeit im Schadstoffeinsatz noch mehr zu verbessern.

Insgesamt nahmen an dem Schadstoff-Training in Deutschland 18 Feuerwehrleute von vier Feuerwehren aus dem St.Pöltner Stadtgebiet teil.

  • FF St.Pölten-Stadt: 11 Mann mit Einsatzleitfahrzeug „Florian 23“, Universallöschfahrzeug (Löschwasser, Schaummitel und Löschpulver), Schadstofffahrzeug und Wechselladefahrzeug mit Wechselladeaufbau Dekontamination
  • FF St.Pölten-Stattersdorf: 3 Mann
  • FF St.Pölten-Wagram: 3 Mann mit Mannschaftstransportfahrzeug
  • FF St.Pölten-Pottenbrunn: 1 Mann

Quelle: ASB-SST Markus Steininger

Gelesen 2319 mal Letzte Änderung am Dienstag, 30 September 2014 08:56